Dirac im Heimkino: Dirac Live, Bass Control und ART erklärt
Zusammenfassung
In diesem Beitrag erklären wir, wie Dirac im Heimkino funktioniert und welche Möglichkeiten das System heute bietet. Dabei unterscheiden wir zwischen Dirac Live Room Correction, Dirac Live Bass Control und Dirac Live Active Room Treatment (ART).
Wir zeigen, wie Dirac Live Frequenz- und Zeitverhalten der Lautsprecher korrigiert, wie Bass Control das Zusammenspiel von Lautsprechern und Subwoofern optimiert und warum ART noch einen Schritt weitergeht. Bei ART können geeignete Lautsprecher und Subwoofer gemeinsam arbeiten, um insbesondere Resonanzen und Ausschwingvorgänge im Tieftonbereich aktiv zu kontrollieren.
Zum Schluss ordnen wir ein, welche Dirac-Version für welches Heimkino sinnvoll ist und wo die Grenzen der elektronischen Raumkorrektur liegen. Auch die leistungsfähigste Dirac-Variante ersetzt keine durchdachte Lautsprecher- und Subwooferpositionierung oder eine sinnvolle raumakustische Planung.
In unserer täglichen Praxis betrachten wir Dirac deshalb nicht als automatische Lösung für akustische Probleme, sondern als leistungsfähiges Werkzeug, das auf einer möglichst guten akustischen Ausgangssituation aufbauen sollte. Welche Dirac-Version sinnvoll ist, hängt dabei immer vom konkreten Raum, dem Lautsprecher- und Subwoofersystem sowie den Anforderungen des jeweiligen Heimkinos ab.
Über den Autor
Holger Franz ist Geschäftsführer der Heimkinobau GmbH und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit der Planung und dem Bau dedizierter Heimkinos. Mit mehr als 680 realisierten Heimkinos und über 2.000 Einmessungen zählt er zu den erfahrensten Heimkino-Planern und -Installateuren im deutschsprachigen Raum.
(Stand: 08-2026)
Einleitung
Dirac gehört heute zu den leistungsfähigsten Raumkorrektursystemen für HiFi- und Heimkinoanwendungen. Das System ist inzwischen bei verschiedenen AV-Receivern und AV-Prozessoren verfügbar und wird in unterschiedlichen Ausbaustufen angeboten.
Dabei ist Dirac nicht gleich Dirac. Die Basis bildet Dirac Live Room Correction. Darüber hinaus gibt es mit Dirac Live Bass Control eine Erweiterung speziell für die Optimierung des Zusammenspiels von Lautsprechern und Subwoofern. Mit Dirac Live Active Room Treatment (ART) geht Dirac noch einen Schritt weiter und nutzt Lautsprecher und Subwoofer gemeinsam, um das akustische Verhalten des Raumes insbesondere im Bassbereich aktiv zu beeinflussen.
Doch worin unterscheiden sich Dirac Live, Bass Control und ART tatsächlich – und welche Variante ist für welches Heimkino sinnvoll?
Kurzantwort:
Dirac Live korrigiert die Wiedergabe der einzelnen Lautsprecher unter Berücksichtigung ihres Verhaltens im Raum und arbeitet dabei sowohl im Frequenz- als auch im Zeitbereich. Dirac Live Bass Control erweitert diesen Ansatz um eine gezielte Optimierung des Bassmanagements und des Zusammenspiels zwischen Lautsprechern und einem oder mehreren Subwoofern.
Dirac Live ART geht darüber hinaus: Lautsprecher und Subwoofer werden nicht mehr nur einzeln optimiert, sondern können sich im Tieftonbereich gegenseitig unterstützen. Dadurch kann ART unter anderem Raummoden, Resonanzen und das Ausschwingen des Raumes gezielter beeinflussen.
Welche dieser drei Stufen sinnvoll ist, hängt deshalb stark vom vorhandenen Lautsprecher- und Subwoofersystem, vom Raum und vom gewünschten Anspruch an die Optimierung ab.
Inhaltsverzeichnis
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Was ist Dirac und wie funktioniert es?
Dirac ist ein Einmess- und Raumkorrektursystem, das die Wiedergabe von Lautsprechern und Subwoofern an die akustischen Bedingungen des jeweiligen Raumes anpasst. Dirac Live ist heute in verschiedenen AV-Receivern, AV-Prozessoren und weiteren Audiogeräten integriert.
Für die Einmessung wird das Wiedergabesystem über ein Messmikrofon an mehreren Positionen im vorgesehenen Hörbereich erfasst. Dabei wird nicht nur der Frequenzgang betrachtet. Dirac analysiert auch das zeitliche Verhalten beziehungsweise die Impulsantwort der Lautsprecher im Zusammenspiel mit dem Raum. Genau darin liegt ein wesentlicher Bestandteil der Dirac-Technologie.
Auf Grundlage dieser Messungen berechnet Dirac digitale Korrekturfilter. Diese sollen unter anderem störende Überhöhungen reduzieren, das zeitliche Verhalten verbessern und die Wiedergabe über den vorgesehenen Hörbereich möglichst gleichmäßig gestalten. Dabei arbeitet Dirac mit einer sogenannten Zielkurve. Sie beschreibt, welche tonale Abstimmung nach der Korrektur angestrebt wird.
Merksatz: Dirac korrigiert nicht einfach nur den Frequenzgang. Das System berücksichtigt auch das zeitliche Verhalten der Wiedergabe und versucht, Lautsprecher und Raum als akustisches Gesamtsystem zu optimieren.
Wie weit diese Optimierung geht, hängt von der eingesetzten Dirac-Technologie ab. Dirac Live Room Correction bildet die Basis und kann durch Dirac Live Bass Control und Dirac Live Active Room Treatment (ART) erweitert werden. Die Unterschiede erläutern wir in den folgenden Abschnitten.

Abbildung 1: Die drei Stufen von Dirac Live im Überblick: Room Correction bildet die Basis der Raumkorrektur, Bass Control erweitert sie um die gezielte Subwoofer-Integration und ART nutzt Lautsprecher und Subwoofer gemeinsam zur aktiven Kontrolle des Schallfelds.
Was bietet Dirac Live Room Correction?
Dirac Live Room Correction bildet die Grundlage der Dirac-Plattform. Die zuvor beschriebene Korrektur von Frequenzgang und Impulsantwort wird dabei für jeden Lautsprecher und Subwoofer einzeln berechnet. Ziel ist eine ausgewogenere Wiedergabe im vorgesehenen Hörbereich sowie eine bessere zeitliche Abstimmung des Systems.
Über die Zielkurve lässt sich festlegen, welche tonale Abstimmung Dirac nach der Korrektur anstreben soll. Der Anwender ist also nicht auf einen möglichst geraden Frequenzgang festgelegt, sondern kann die gewünschte Abstimmung innerhalb sinnvoller Grenzen beeinflussen.
Je nach vorhandener Lizenz kann Dirac Live Room Correction entweder einen begrenzten Frequenzbereich bis 500 Hz oder mit der Full-Bandwidth-Version den Bereich von 20 Hz bis 20 kHz korrigieren.
Merksatz: Dirac Live Room Correction ist die Basis der Dirac-Plattform. Es korrigiert nicht nur den Frequenzgang der einzelnen Lautsprecher, sondern berücksichtigt auch deren zeitliches Verhalten und ermöglicht eine individuelle Abstimmung über Zielkurven.
Die Grenzen von Room Correction zeigen sich insbesondere bei der weitergehenden Subwoofer-Integration. Zwar werden auch Subwoofer gemessen und korrigiert, das Zusammenspiel von Subwoofern und Lautsprechern im Bassbereich wird jedoch erst mit Dirac Live Bass Control umfassender optimiert.
Was bietet Dirac Live Bass Control?
Dirac Live Bass Control (DLBC) erweitert Room Correction um ein weitergehendes Bassmanagement. Statt Subwoofer lediglich einzeln zu korrigieren, betrachtet Bass Control Subwoofer und Lautsprecher im Tiefton als zusammenhängendes System.
Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere der Übergangsbereich zwischen Lautsprechern und Subwoofern. Bass Control stimmt unter anderem Pegel, Laufzeit und Phase aufeinander ab und berücksichtigt die gewählten Übergangsfrequenzen. Dadurch sollen Überhöhungen und Auslöschungen reduziert und die Integration der Subwoofer verbessert werden.
Besonders relevant ist Bass Control bei mehreren Subwoofern. Diese können individuell angesteuert und aufeinander abgestimmt werden. Ziel ist nicht nur eine gute Basswiedergabe am Referenzplatz, sondern eine möglichst gleichmäßige Tieftonwiedergabe über mehrere Sitzplätze. Bass Control kann aber auch bei nur einem Subwoofer Vorteile bei der Integration mit den Lautsprechern bieten.
Merksatz: Dirac Live Bass Control optimiert nicht einfach nur den Frequenzgang im Bass. Es stimmt Subwoofer und Lautsprecher im Tiefton als zusammenhängendes System aufeinander ab.
Auch Bass Control kann die physikalischen Voraussetzungen des Raumes nicht beliebig verändern. Positionierung und Leistungsfähigkeit der Subwoofer sowie die Raumakustik bleiben wichtige Grundlagen für das erreichbare Ergebnis.

Abbildung 2: Prinzipdarstellung von Dirac Live Room Correction: Das System erfasst mehrere Messpositionen im Hörbereich, analysiert Frequenz- und Zeitverhalten und berechnet daraus Korrekturfilter auf Basis einer individuell anpassbaren Zielkurve.

Abbildung 3: Prinzipdarstellung von Dirac Live Bass Control: Subwoofer und Lautsprecher werden im Tiefton gemeinsam optimiert. Ziel sind besser abgestimmte Übergänge sowie eine gleichmäßigere Basswiedergabe über mehrere Sitzplätze
Was bietet Dirac Live Active Room Treatment (ART)?
Dirac Live Active Room Treatment (ART) geht über Room Correction und Bass Control hinaus. ART nutzt die vorhandenen Lautsprecher und Subwoofer gemeinsam zur aktiven Kontrolle des Schallfeldes. Grundlage ist ein MIMO-Verfahren (Multiple Input Multiple Output), bei dem geeignete Lautsprecher andere Lautsprecher im Tiefton unterstützen können.
Spielt beispielsweise ein Frontlautsprecher einen Bassimpuls, können andere geeignete Lautsprecher und Subwoofer gezielt dazu beitragen, unerwünschte Raumresonanzen und langes Ausschwingen zu reduzieren. ART beeinflusst damit nicht nur den Frequenzgang, sondern auch das zeitliche Verhalten der Schallenergie im Raum.
Diese gegenseitige Unterstützung arbeitet im Bereich von 20 bis maximal 150 Hz. Welche Lautsprecher tatsächlich als Unterstützung eingesetzt werden können, hängt von ihrem nutzbaren Frequenzbereich und den Möglichkeiten des jeweiligen Gerätes ab. Oberhalb des ART-Bereichs erfolgt die Korrektur weiterhin nach dem Prinzip der normalen Dirac Live Room Correction.
Merksatz: Dirac Live ART nutzt geeignete Lautsprecher und Subwoofer gemeinsam, um Raumresonanzen und Ausschwingvorgänge im Tiefton aktiv zu kontrollieren und eine gleichmäßigere Wiedergabe über den Hörbereich zu erreichen.
ART ersetzt dennoch keine sinnvolle akustische Planung. Das erreichbare Ergebnis hängt weiterhin von Raum, Lautsprechern, Subwoofern und deren Aufstellung ab. Dirac weist selbst darauf hin, dass die Kombination aus ART und passiver Raumakustik je nach Anwendung das beste Ergebnis liefern kann.

Abbildung 4: Prinzipdarstellung von Dirac Live Active Room Treatment (ART): Geeignete Lautsprecher und Subwoofer arbeiten koordiniert zusammen, um Raumresonanzen aktiv zu reduzieren und das Ausschwingen im Tieftonbereich zu verkürzen. ART kann diese gegenseitige Unterstützung bis maximal 150 Hz einsetzen.
Dirac Live ART in der Praxis: Messung in unserem Demokino
Dirac Live ART haben wir auch in unserem eigenen Demokino praktisch eingesetzt. Als AV-Prozessor kommt dabei eine StormAudio ISP Elite MK3 32-Kanal-Vorstufe zum Einsatz. Das Heimkino verfügt über insgesamt 23 Lautsprecher und neun Subwoofer von MAG Theatron. Die Subwoofer sind an unterschiedlichen Positionen über den Raum verteilt. Zum Einsatz kommen acht 18-Zoll-Subwoofer sowie ein MAG Theatron Thor 24-Zoll-Subwoofer.
Damit bietet das System gute Voraussetzungen für das Arbeitsprinzip von ART: Neben den Subwoofern können geeignete Lautsprecher in die aktive Kontrolle des Tieftonbereichs einbezogen werden. Gerade bei einem umfangreichen Lautsprecher- und Subwoofersystem stehen ART damit zahlreiche Schallquellen an unterschiedlichen Positionen im Raum zur Verfügung.
Nach der Einmessung mit Dirac Live ART haben wir das Ergebnis zusätzlich unabhängig mit Room EQ Wizard (REW) am Referenzsitzplatz kontrolliert. Gemessen wurde der LFE-Kanal ohne Glättung der dargestellten Messkurven.
Bereits der Frequenzgang zeigt ein sehr gleichmäßiges Ergebnis. Im wesentlichen Bassbereich verläuft die gemessene Kurve weitgehend konstant. Starke schmalbandige Überhöhungen oder ausgeprägte Auslöschungen, wie sie durch Raummoden häufig entstehen können, sind am Referenzplatz nicht zu erkennen.
Für die Beurteilung von ART ist jedoch nicht allein der Frequenzgang interessant. Ein wesentlicher Ansatz von ART besteht darin, auch Resonanzen und das zeitliche Ausschwingen der Schallenergie im Raum zu kontrollieren. Deshalb haben wir zusätzlich das zeitliche Verhalten der Messung betrachtet.
Das REW-Spektrogramm zeigt im Bereich oberhalb von ungefähr 30 Hz ein sehr kontrolliertes Abklingen. Es sind dort nur wenige länger anhaltende, schmalbandige Resonanzstrukturen erkennbar. Im untersten Frequenzbereich zwischen etwa 20 und 30 Hz bleibt die Schallenergie erwartungsgemäß länger im Raum erhalten. Oberhalb dieses Bereichs fällt die Energie dagegen deutlich schneller ab.
Auch die in REW ermittelten Abklingzeiten bestätigen diesen Eindruck. Während im sehr tiefen Bass längere Werte auftreten, sinken die gemessenen Abklingzeiten mit steigender Frequenz deutlich. Im Bereich um 100 Hz liegen sie in dieser Messung bereits bei ungefähr 0,13 bis 0,15 Sekunden.
Merksatz: Unsere Kontrollmessung zeigt, dass sich mit Dirac Live ART in unserem Demokino am Referenzsitzplatz sowohl ein sehr gleichmäßiger Bassfrequenzgang als auch ein kontrolliertes zeitliches Verhalten erreichen lässt. Besonders oberhalb des extremen Tiefstbassbereichs sind nur geringe länger anhaltende Resonanzstrukturen erkennbar.
Wichtig ist dabei die Einordnung: Diese Messung dokumentiert das Ergebnis eines konkreten Heimkinos mit 23 Lautsprechern und neun räumlich verteilten Subwoofern. Sie ist kein allgemeiner Nachweis dafür, dass ART in jedem Raum das gleiche Ergebnis erzielt. Raum, Lautsprecherkonzept, Subwooferanordnung und die Möglichkeiten der eingesetzten Lautsprecher haben erheblichen Einfluss auf das Resultat.

Praxis-Messung 1: Frequenzgang des LFE-Kanals nach der Einmessung mit Dirac Live ART in unserem Demokino. REW-Kontrollmessung am Referenzsitzplatz, Darstellung ohne Glättung.

Praxis-Messung 2: Spektrogramm des LFE-Kanals nach der Dirac-ART-Einmessung. Oberhalb des untersten Tiefbassbereichs ist ein schnelles Abklingen der Schallenergie und nur wenig lang anhaltende Resonanzstruktur erkennbar.
Dirac Live, Bass Control und ART im direkten Vergleich
Die drei Dirac-Stufen bauen aufeinander auf, unterscheiden sich aber deutlich darin, wie weit sie in das Zusammenspiel von Lautsprechern, Subwoofern und Raum eingreifen.
Die Tabelle zeigt den entscheidenden Unterschied: Dirac Live Room Correction korrigiert primär die einzelnen Lautsprecher, Bass Control erweitert die Optimierung auf das gesamte Basssystem und ART erweitert diesen Ansatz zur aktiven Schallfeldkontrolle.

Abbildung 5: Vergleich von Dirac Live Room Correction, Dirac Live Bass Control und Dirac Live ART. Die Tabelle zeigt, wie sich die drei Systeme bei Raumkorrektur, Subwoofer-Optimierung, Bassmanagement und aktiver Schallfeldkontrolle unterscheiden.
Bass Control und ART sollte man deshalb nicht miteinander verwechseln. Bass Control stimmt insbesondere Subwoofer und Lautsprecher so aufeinander ab, dass sie im Tiefton- und Übergangsbereich möglichst gut zusammenarbeiten. ART geht darüber hinaus und nutzt geeignete Lautsprecher und Subwoofer aktiv als Unterstützung für andere Kanäle.
Ein weiterer Unterschied betrifft das zeitliche Verhalten des Raumes. Bass Control kann die Basswiedergabe über verschiedene Sitzplätze deutlich vereinheitlichen. ART versucht zusätzlich, Resonanzen und lange Ausschwingvorgänge aktiv zu kontrollieren. Dadurch soll Bass nicht nur gleichmäßiger, sondern auch zeitlich präziser wiedergegeben werden.
Vereinfacht kann man sich die drei Stufen deshalb so merken:
Dirac Live: Wie spielt jeder Lautsprecher in diesem Raum?
Dirac Live Bass Control: Wie arbeiten Lautsprecher und Subwoofer im Bassbereich optimal zusammen?
Dirac Live ART: Wie können geeigneten Lautsprecher und Subwoofer gemeinsam das Schallfeld im Raum kontrollieren?
Diese Unterscheidung ist letztlich wichtiger als die Frage, welche Dirac-Version grundsätzlich die „beste“ ist. Entscheidend ist, welche Funktionen das jeweilige Heimkino tatsächlich benötigt.
Wo liegen die Grenzen von Dirac?
Dirac Live kann viele akustische Probleme eines Wiedergabesystems deutlich reduzieren. Trotzdem kann auch eine leistungsfähige elektronische Raumkorrektur nicht alle Probleme eines Raumes lösen. Entscheidend ist deshalb, Dirac nicht als Ersatz für eine gute Planung zu verstehen, sondern als Werkzeug, das auf den vorhandenen akustischen Voraussetzungen aufbaut.
Eine ungünstige Lautsprecher- oder Subwooferpositionierung lässt sich beispielsweise nur innerhalb bestimmter Grenzen elektronisch kompensieren. Gleiches gilt für starke Raummoden, sehr lange Nachhallzeiten oder problematische Reflexionen. Dirac selbst beschreibt Room Correction ausdrücklich als Ergänzung zu sinnvoller Lautsprecherpositionierung und passiver Raumakustik.
Aber selbst ART hebt die physikalischen Grenzen des Raums und der Lautsprecher nicht auf. Die Wirkung hängt unter anderem vom nutzbaren Frequenzbereich und der Leistungsfähigkeit der vorhandenen Lautsprecher und Subwoofer, von ihrer Positionierung sowie von Größe und akustischen Eigenschaften des Raumes und des vorgesehenen Hörbereichs ab. Nicht jeder Lautsprecher eignet sich gleichermaßen zur Unterstützung anderer Kanäle.
Merksatz: Dirac kann eine gute akustische Ausgangssituation deutlich verbessern – aber eine schlechte Raum- und Lautsprecherplanung nicht beliebig elektronisch reparieren.
Für ein hochwertiges Heimkino bleibt deshalb die Reihenfolge entscheidend: Zunächst sollten Raumakustik, Lautsprecher- und Subwooferpositionierung sowie das grundlegende Systemkonzept möglichst sinnvoll geplant werden. Erst anschließend kann Dirac seine Möglichkeiten bei der elektronischen Optimierung vollständig ausspielen.
Welche Dirac-Version ist für welches Heimkino die richtige?
Welche Dirac-Version sinnvoll ist, hängt weniger vom Preis des Heimkinos als vom eingesetzten Lautsprecher- und Subwoofersystem sowie vom gewünschten Grad der Optimierung ab.
Dirac Live Room Correction ist die sinnvolle Basis, wenn vor allem die einzelnen Lautsprecher und Subwoofer an den Raum angepasst werden sollen. Für überschaubare Systeme ohne besondere Anforderungen an die Integration mehrerer Subwoofer kann Room Correction bereits ausreichen.
Dirac Live Bass Control ist besonders interessant, wenn ein oder mehrere Subwoofer möglichst sauber mit den übrigen Lautsprechern zusammenspielen sollen. Bei anspruchsvollen Heimkinos mit mehreren Subwoofern würden wir Bass Control gegenüber der reinen Room Correction in der Regel bevorzugen, sofern das eingesetzte Gerät die Funktion unterstützt.
Dirac Live ART kommt vor allem dann infrage, wenn eine möglichst weitgehende Kontrolle des Tieftonbereichs gewünscht ist und genügend geeignete Lautsprecher und Subwoofer zur Verfügung stehen. ART ist deshalb nicht automatisch für jedes Heimkino die beste Wahl. Lautsprecherkonzept, Raum, Subwoofersystem und Gerätekompatibilität müssen dazu passen.
Merksatz: Room Correction bildet die Basis, Bass Control erweitert die Möglichkeiten bei der Subwoofer-Integration und ART ermöglicht die weitreichendste aktive Kontrolle des Schallfeldes. Welche Stufe sinnvoll ist, entscheidet das konkrete Heimkino.
Ein wichtiger Punkt sollte dabei nicht übersehen werden: Nicht jeder AV-Receiver oder AV-Prozessor unterstützt automatisch alle drei Funktionen. Vor einer Entscheidung muss deshalb geprüft werden, welche Dirac-Funktionen für das konkrete Gerät tatsächlich verfügbar sind. Dirac führt diese Unterstützung modellbezogen auf seinen Produktseiten auf.
Professionelle Planung und Einmessung für dein Heimkino
Auch Dirac kann nur mit den akustischen Voraussetzungen arbeiten, die im Raum vorhanden sind. Lautsprecher- und Subwooferpositionierung, Raumakustik und das gesamte Wiedergabekonzept bestimmen deshalb wesentlich, welches Ergebnis mit Dirac Live, Bass Control oder ART erreichbar ist.
Wir unterstützen dich bei der raumakustischen Planung, Optimierung und professionellen Einmessung deines Heimkinos – vom bestehenden System bis zum vollständig geplanten Heimkino.
Das Ergebnis wird anschließend mit unabhängigen Messungen kontrolliert und das Gesamtsystem abschließend nach Gehör feinjustiert.
Mehr zu Professionelle Akustik-Optimierung und Einmessung >>
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Dirac
Was ist Dirac Live?
Dirac Live ist ein digitales Einmess- und Raumkorrektursystem. Es misst das Zusammenspiel von Lautsprechern und Raum und korrigiert dabei nicht nur den Frequenzgang, sondern auch das zeitliche Verhalten beziehungsweise die Impulsantwort.
Was ist der Unterschied zwischen Dirac Live, Bass Control und ART?
Dirac Live Room Correction bildet die Basis und optimiert die einzelnen Lautsprecher und Subwoofer. Dirac Live Bass Control erweitert das System um eine gezielte Integration und Optimierung der Subwoofer. Dirac Live ART geht noch weiter und lässt geeignete Lautsprecher und Subwoofer gemeinsam arbeiten, um das Schallfeld insbesondere im Tieftonbereich aktiv zu kontrollieren.
Brauche ich Bass Control bei nur einem Subwoofer?
Nicht zwingend. Dirac Live Room Correction kann auch einen einzelnen Subwoofer korrigieren. Bass Control geht jedoch weiter und optimiert gezielt das Zusammenspiel von Subwoofer und Lautsprechern einschließlich der Übergangsbereiche.
Lohnt sich Dirac Live Bass Control bei mehreren Subwoofern?
Gerade bei mehreren Subwoofern spielt Bass Control seine wesentlichen Vorteile aus. Das System optimiert deren Zusammenspiel und die Integration mit den übrigen Lautsprechern und zielt gleichzeitig auf eine gleichmäßigere Basswiedergabe über mehrere Sitzplätze.
Was macht Dirac ART anders als Bass Control?
Bass Control konzentriert sich auf die Integration und Optimierung des Basssystems. ART nutzt dagegen mehrere Lautsprecher als zusammenarbeitendes System und kann damit aktiv gegen Resonanzen und lange Ausschwingvorgänge vorgehen. Dafür verwendet ART eine MIMO-basierte Schallfeldkontrolle.
Bis zu welcher Frequenz arbeitet Dirac ART?
Der eigentliche ART-Wirkungsbereich liegt bei 20 bis 150 Hz. Oberhalb von 150 Hz übernimmt die normale Dirac Live Room Correction die Korrektur der einzelnen Lautsprecher.
Ersetzt Dirac ART eine gute Raumakustik?
Nein. ART kann insbesondere im Tieftonbereich Resonanzen und Ausschwingvorgänge aktiv reduzieren und damit Wirkungen erzielen, für die ansonsten umfangreiche passive Maßnahmen notwendig sein können. Eine sinnvolle Raumakustik sowie eine gute Lautsprecher- und Subwooferpositionierung bleiben trotzdem wichtige Grundlagen eines hochwertigen Heimkinos.
Kann jeder AV-Receiver Dirac Live, Bass Control und ART nutzen?
Nein. Die Unterstützung hängt vom jeweiligen Gerät ab. Manche Geräte unterstützen nur Room Correction, andere zusätzlich Bass Control oder das komplette System einschließlich ART. Hinzu kommen gegebenenfalls separate Dirac-Lizenzen. Ein aktuelles Beispiel zeigt diese Unterschiede deutlich: Bei der neuen Marantz CINEMA Series 2 unterstützt der CINEMA 50 Series 2 alle drei Technologien, während der CINEMA 60 Series 2 nur Room Correction unterstützt.
Benötige ich für Dirac ART auch Bass Control?
Sobald Subwoofer verwendet werden, ist für ART auch Bass Control erforderlich. Ohne Subwoofer setzt ART lediglich Dirac Live Room Correction voraus.
Ist Dirac automatisch besser als Audyssey?
Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Beide Systeme unterscheiden sich bei Technik, Funktionsumfang, Bedienung und den Möglichkeiten zur individuellen Optimierung. Genau diesen Vergleich behandeln wir im dritten Teil dieser Artikelserie.
Quellen und weiterführende Informationen
Für die technischen Grundlagen und die Beschreibung der verschiedenen Dirac-Live-Technologien wurden insbesondere die offiziellen Informationen und technischen Dokumentationen von Dirac herangezogen:
- Dirac – What is Dirac Live? – Überblick über Dirac Live Room Correction, Bass Control und Active Room Treatment.
- Dirac Live Room Correction – Funktionsweise der Raumkorrektur sowie Frequenz- und Impulsantwortkorrektur.
- Dirac Live Bass Control – Subwoofer-Integration, Phase, Timing, Übergangsbereiche und Multi-Subwoofer-Optimierung.
- Dirac Live ART – Active Room Treatment – Funktionsweise von ART, MIMO-Technologie und Zusammenarbeit der Lautsprecher bis etwa 150 Hz.
- Dirac Live ART FAQ – Technische Hintergründe zu ART, Resonanzkontrolle, Nachhall und Sitzplatzkonsistenz.
- Dirac Live – Technical Overview (Whitepaper) – Technische Grundlagen der gesamten Dirac-Live-Produktfamilie.
Eigene Praxiserfahrung Heimkinobau GmbH
Die theoretischen Grundlagen werden durch Erkenntnisse aus über 680 realisierten Heimkinos und mehr als 2.000 durchgeführten Einmessungen ergänzt.







